Kirchen in Lindenberg und Lambrecht


Protestantische Kirchengemeinde
Lambrecht-Lindenberg

Gebäude

Die ehemalige Klosterkirche Lambrecht

Turm der ehemaligen Klosterkirche

Die ehemalige Klosterkirche in Lambrecht, heute protestantische Kirche, gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Reduktionsgotik in der Pfalz. Während das Kloster St. Lambrecht selbst um 977 als Benediktinerkloster gegründet wurde, ist das heutige Kirchengebäude deutlich jünger und stammt aus dem 14. Jahrhundert, als das Kloster bereits Dominikanerinnen zugewiesen worden war. Der Neubau war jedoch im Laufe der Zeit vielen Veränderungen unterworfen, sodass man heute die ursprüngliche Gestalt nur noch erahnen kann.

In seiner ursprünglichen Gestalt hatte der Bau beispielsweise gemäß den Direktiven des Dominikanerordens zum Kirchenbau keinen Turm, sondern vielmehr einen Dachreiter. Der heutige, eigentlich stilwidrige Turm wurde erst 1922 - auf ausdrücklichen Wunsch der Denkmalpflege - aufgesetzt und gehört heute zu den unverwechselbaren Erkennungszeichen der Kirche.

Kunstgeschichtlich ist der Neubau der Dominikanerinnen in die Reduktionsgotik einzuordnen, eine Baurichtung, die sich durch kompakte, mit klaren Umrisskonturen in sich geschlossene Bauten auszeichnet, die im Gegensatz zur Hochgotik die Wände wieder stärker betonen und mit einem kräftigen Steildach die Baumasse stark überhöhen. Das Steildach freilich wurde 1854 durch ein flacheres Dach ersetzt.

Auch der Innenraum blieb von diversen Eingriffen nicht verschont. Als der Calvinismus in der Pfalz Fuß fasste, wurden die berühmten Wandmalereien (bei denen es sich entgegen der landläufigen Meinung nicht um Fresken handelt, sondern um Seccos: während Fresken auf feuchten Putz aufgetragen werden, werden Seccos auf das schon trockene Mauerwerk aufgebracht) aufgrund des calvinistischen Bilderverbots überstrichen. Erst 1890 wurden die spätgotischen Malereien wiederentdeckt, aber nicht etwa freigelegt, sondern nochmals überstrichen, wobei ein Teil der Malereien darüber hinaus mutwillig zerstört wurde. Erst 1955/56 und 1976 wurde die teils bis zu siebenfache Deckenschicht über den Bildern wieder entfernt. Die Malereien wurden mühevoll restauriert und gehören heute zu den Hauptattraktionen der ehemaligen Klosterkirche.

Eine weitere Hauptattraktion ist freilich die 1777 von Johann Georg Geib erbaute Orgel. Geib wird heute trotz seines vergleichsweise kleinen Oeuvres zu den bedeutendsten Orgelbaumeistern des 18. Jahrhunderts gezählt. Als die Orgel zum 200. Jubiläum restauriert wurde, mussten drei Register entfernt werden, die aber Wiederverwendung in einer kleinen Chororgel fanden, die von Orgelbaumeister Karl Göckel nach Plänen von Architekt Heinrich Jost erbaut und 1985 eingeweiht wurde.

Literatur